Heiter bis Stürmisch

HBS012 Hurrikan Katrina

23 August 2020

Aktuell ist im Atlantik wieder Hurrikan-Saison. Wie viele und wie stark die Hurrikans in der Saison ausfallen ist vor dem Start der Saison im Juni noch nicht ganz klar. Dieses Jahr war beispielsweise schon recht ereignisreich. So traten die ersten elf benannten tropischen Wirbelstürme früher auf als ihre Buchstabenvetter. Hurrikan Arthur entstand dieses Jahr sogar schon im Mai vor der offiziellen Saison.

Allerdings soll es heute nicht um die allgemeine Hurrikansaison gehen, sondern um einen bestimmten. Denn heute vor 15 Jahren, für mich ist das der 23. August 2020, bildete sich einer der bekanntesten und verheerendsten Hurrikans der US-Geschichte. Hurrikan Katrina.

Tropische Wirbelstürme entstehen über warmen Ozeangewässern. So auch Hurrikan Katrina. Der Entstehungsprozess dieses bestimmten Hurrikans ist allerdings etwas kompliziert. Südlich der Bahamas waren am 23. August mehrere günstige atmosphärische Bedingungen vorhanden für die Bildung eines tropischen Tiefs. Dazu gehörte auch das zwölfte tropische Tiefdruckgebiet (tropical depression) der Saison. Aus einer Wechselwirkung aus diesem tropischen Tief und den günstigen atmosphärischen Bedingungen bildete sich Hurrikan Katrina. Im Laufe des Tages verstärkte und organisierte sich das zwölfte Tiefdrucksystem weiter. Dabei zog es weiter nach Nordwesten über die Bahamas in Richtung Nassau. Gleichzeitig wurde auch schon ein Regenband beobachtet, das sich um das Zentrum des Tiefs umwickelte. Am 24. August wurde der nun schon tropische Sturm auf den Namen Katrina getauft. Er befand sich südöstlich der Bahamas und änderte seinen Kurs leicht westwärts Richtung Florida. Dort wurden bereits erste Sicherheitsvorkehrungen und Evakuierungsmaßnahmen vorbereitet. Am späten Abend des 25. August etwa 2 Stunden bevor der Sturm Florida treffen sollte, wurde der tropische Sturm zu einem Hurrikan der Stufe 1 (auf der Saffir-Simpson-Skala) eingestuft. Mit Windgeschwindigkeiten von etwas über Orkanstärke wurde Florida getroffen. Das Zentrum des Hurrikans zog dabei direkt über das Gebäude des National Hurricane Center in Miami. Trotz der schnellen Entwicklung zu einem Hurrikan wurde die übliche Warnzeit von 24 bis 36 Stunden größtenteils eingehalten. Der Überzug über Florida schwächte Hurrikan Katrina wieder leicht ab. Aber sobald er das warme Wasser im Golf von Mexiko erreicht hatte, begann eine starke Intensivierung. So wurde dann der Hurrikan im Verlauf des Tages auf die Stufe 2 heraufgesetzt.

Hurrikane ziehen ihre Energie aus einer hohen Luftfeuchtigkeit und die findet man oft über tief reichende warme Gewässer. Der Golf von Mexiko erfüllt diese Bedingungen und ist daher ein hervorragender Energielieferant. Ganz nebenbei wusstet ihr, dass ein Hurrikan bis zu 6,0*10^14 Watt pro Tag durch Wolken-und Regenbildung an Energie freisetzt? Das entspricht fast dem gesamten Stromverbrauch für Deutschland in einem Jahr.

Nun zog Hurrikan Katrina über den Golf von Mexiko und tankte eine Menge Energie, so dass sich die Ausdehnung fast verdoppelte. Am 27. August wurde ein Kerndruck von knapp 940 hPa beobachtet mit Windgeschwindigkeiten von über 185 km/h. Das sind schon deutlich höhere Windgeschwindigkeiten als bei einem Orkan. Da "müssen" nur 117 km/h wehen. Auf Satellitenbildern war nun auch gut das typische Auge eines Hurrikans zu erkennen.

Bis zum darauf folgenden Tag gewann Hurrikan Katrina weiter an Kraft und erreichte am Nachmittag seine maximale Stärke. Von einem Hurrikan am unteren Rand der Stufe 3 verstärkte er sich innerhalb von 12 Stunden auf einen der Stufe 5, der höchsten Stufe auf der Hurrikan-Skala. Sowohl die Windgeschwindigkeiten nahmen noch mal zu als auch das Windfeld. So war Hurrikan Katrina nicht nur besonders intensiv, sondern auch außergewöhnlich groß. Mit zweieinhalb facher Orkanstärke und einem (siebt-niedrigsten) Kerndruck von 902 hPa zog Hurrikan Katrina weiter nordwärts über den zentralen Golf von Mexiko. Bis dahin war Katrina der stärkste jemals gemessene Sturm im Golf von Mexiko. Aber im gleichen Jahr, drei Wochen nach Hurrikan Katrina folgte Hurrikan Rita. Dieser war zwar weniger verheerend, aber hatte einen noch etwas tieferen Kerndruck mit 895 hPa und höhere Windgeschwindigkeiten.

Hurrikan Katrina steuerte in der Zwischenzeit direkt auf die Küste von Louisiana und Mississippi zu. Durch interne turbulente Prozesse schwächte sich Hurrikan Katrina ab und wurde gerade so auf Stufe drei zurückgestuft. Am frühen Morgen des 29. August traf er auf Land. Genauer auf die Feuchtgebiete und das Delta des Missisippiflusses, südlich der Stadt New Orleans. Hurrikan Katrina zog zwar etwas östlich an der Stadt New Orleans vorbei, führte gleichzeitig aber eine massive Flutwelle von bis zu sieben Metern mit sich; Die vor allem in den Küstenregionen mehr Schaden anrichtete als die extremen Windgeschwindigkeiten. Das Auftreffen auf die Festlandküste von Mississippi führte zu einer weiteren Abschwächung und am Abend war Hurrikan Katrina "nur" noch ein Hurrikan der Stufe 1. Innerhalb der folgenden zwei Tage zog Katrina nun nur noch als Tropisches Tief weiter nach Norden und wurde in Kanada von einem Frontensystem aufgenommen.

Die Menschen in den betroffenen Regionen wurden bereits einige Tage zuvor aufgefordert, wenn möglich sich ins Landesinnere zu begeben. 1,3 Millionen Menschen sind geflohen. Vor allem Ältere und sozial Benachteiligte wollten bzw. konnten nicht fliehen.
Die enormen Wassermassen führten zu mehreren Dammbrüchen in New Orleans. Die Stadt ist umgeben von Wasser, und das größere Problem ist, dass die Stadt zu 80% teilweise mehrere Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt. Sobald ein oder mehrere Dämme brechen, läuft die Stadt mit Wasser voll. Bis das Wasser wieder verschwindet dauert es einige Tage bis Wochen. Viele Menschen waren mehrere Tage auf ihren Dächern oder wie in New Orleans mehrere Zehntausend im Stadion Superdome eingesperrt gewesen. Denn neben der Naturkatastrophe kamen auch noch Regierungsfehler hinzu. Sodass für genau so eine Katastrophe geplante Hilfen einfach nicht in Gang gesetzt wurden. Auch im Landesinneren waren durch Tornados und erhebliche Niederschlagsmengen die Auswirkungen von Hurrikan Katrina zu spüren. Insgesamt wurden 62 Tornados über acht Staaten beobachtet. Der meiste Niederschlag fiel in Big Brang mit 380 mm (Zum Vergleich der Jahresniederschlag von Erfurt beträgt 2019 351,1mm), Louisiana und 415 mm in Perrine, Florida.

Die Hurrikan-Saison 2005 war das bis jetzt ereignisreichste Jahr. Insgesamt wurden 24 Namen vergeben und sogar im November und Dezember wurden tropischen Tiefdruckgebieten Namen vergeben. Dieses Jahr allerdings und jetzt erst Mitte der Saison gestaltet sich auch wieder sehr ereignisreich und hat noch das Potential 2005 zu übertreffen. Die Namen für die nächsten tropischen Stürme stehen auch schon fest und werden Nana und Omar sein. Wie die Namen vergeben werden und wie das bei uns in Mitteleuropa ist, wird Thema für eine andere Folge.

Zugstrecke von Hurrikan Katrina

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