Heiter bis Stürmisch

HBS006 Der Luftdruck und das Wetter

31 May 2020

In der letzten Folge habe ich erzählt, wie schwer Luft ist und wie der Luftdruck von der Lufttemperatur abhängt. Ungeklärt blieb aber die Frage wie der Luftdruck mit dem Wetter verbunden ist und welche Auswirkungen das hat. Für die Wettervorhersage ist es daher wichtig den Luftdruck zu kennen. Und noch eine andere spannendere Frage bleibt: Wie kann aus Luftdruckveränderungen Rückschlüsse auf das kommende Wetter gezogen werden?

Wer schon mal Wetterkarten gesehen hat, erinnert sich vielleicht an die Linien, die die Bereiche mit gleichem Luftdruck darstellen. Das sind die sogenannten Isobaren. Mithilfe der Isobaren auf den Karten ist dann zu sehen, wo sich Hoch- und Tiefdruckgebiete befinden. Bei Hochdruckgebieten ist dabei der Luftdruck im Zentrum am höchsten und im Umkreis niedriger. Hochs werden meist mit schönem Wetter in Verbindung gebracht. Oft kommt es zur Wolkenauflösung und daher viel Sonne. Das liegt an der Bewegung der Luft. In Hochdruckgebieten sinkt die Luft zu Boden, erwärmt sich und nimmt somit mehr Wasserdampf auf. Und das hat die Wolkenauflösung zur Folge. In einem Tief ist es hingegen genau umgekehrt. Der Druck im Zentrum des Tiefs ist am niedrigsten und steigt in der Umgebung rasch an. In einem Tief steigt die Luft auf und kühlt sich dabei ab. Irgendwann kondensiert der Wasserdampf, es bilden sich Wolken, die dann gegebenenfalls Regen bringen.

Die Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten ist daher schon mal ein guter Indikator wie das Wetter an den jeweiligen Orten ist. Wer ein Barometer zu Hause hat oder eine App, die den Luftdruck anzeigt, kann damit schon erste Erkenntnisse ziehen wie das Wetter ist. Ist der Luftdruck eher tief, wie zum Beispiel um 990 hPa, ist das Wetter wahrscheinlich wechselhafter. Das spricht für eher stürmisches und regnerisches Wetter. Zeigt das Barometer bei uns tendenziell hohe Werte wie 1030 hPa an, ist eher mit sonnigem und trockenen Wetter zu rechnen.

Nun ist es zwar ganz nützlich den momentanen "Absolutwert" des Luftdrucks zu kennen. Aber das ist nicht sehr aussagekräftig. Entscheidend für das kommende Wetter ist eher die Luftdruckänderung bzw. die Luftdrucktendenz. Die Luftdrucktendenz gibt die Änderung des Luftdrucks in einem bestimmten Zeitintervall an. In der Wettervorhersage wird oft die Luftdrucktendenz der letzten 3 Stunden zuhilfe genommen. Es wird verglichen wie der Luftdruck zur aktuellen Stunde ist und wie er vor drei Stunden war. Mithilfe der Luftdrucktendenz werden Fronten analysiert und Frontdurchgänge prognostiziert. Auch die Verlagerung von Druckgebieten kann damit untersucht werden. Aus der Art der Änderung sowie deren Betrag können verschiedene Schlussfolgerungen gezogen werden.

Die erste Möglichkeit ist der Luftdruck bleibt gleich bzw. konstant. Gleichbleibender Luftdruck über mehrere Tage, manchmal auch nur Stunden, tritt während eines Hochdruckgebietes auf. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Wert immer derselbe ist und konstant bleibt. Typische Luftdruckschwankungen um etwa 1 hPa innerhalb von 12 Stunden sind normal und entsprechen dem Tagesgang. Gleichbleibender Luftdruck ist ein Zeichen für stabiles und gleichbleibendes Wetter. Im Sommer ist das vielleicht ganz schön, weil oftmals die Sonne scheint und nur wenig Wolken vorhanden sind. Dann steigt allerdings auch die Trockenheit. In den Übergangsmonaten kann langes stabiles Wetter auch unangenehm sein. Bildet sich zum Beispiel Hochnebel, hat das einen eher grauen und trüben Himmel zur Folge, der dann über mehrere Tage oder sogar Wochen so bleibt. Und das ist dann nicht unbedingt "gutes" Wetter. Erst wenn der Luftdruck steigt oder fällt, kommt es zu einer Wetteränderung.

Ansteigender Luftdruck spricht für eine Wetterbesserung. Ist der Anstieg des Luftdrucks eher langsam und stetig deutet das auf eine langfristige Wetterbesserung hin. Ein starker Anstieg wie zum Beispiel 1 hPa pro Stunde ist eher ein Zeichen für eine kurzfristige Wetterbesserung. Obwohl das Wetter dann "schöner" ist, kann immer noch ziemlich heftiger Wind wehen. Auch in der Wettervorhersage bzw. Wetteranalyse ist ansteigender Druck bzw. eine positive Luftdrucktendenz wichtig. Denn das ist ein Zeichen, dass die Front nun an diesem Ort durchgezogen ist. Nähert sich zum Beispiel eine Kaltfront, fällt der Luftdruck zunächst. Ist die Kaltfront vorübergezogen, steigt der Luftdruck wieder. Nach dem Regen der Front lösen sich dann oft die Wolken auf und die Sonne scheint. Dann ist es für einige Zeit schön bei meist kühleren Temperaturen und eventuell böigen Wind.

Mit fallendem Luftdruck ist vielleicht das interessanteste Ereignis verbunden. Ein langsamer stetiger Luftdruckabfall deutet auf eine Wetterveränderung hin. War es beispielsweise über lange Zeit sonnig mit wenig Wolken, ist das ein Zeichen, das diese (Schönwetter-)phase sich dem Ende neigt. Das ist manchmal nicht so leicht zu erkennen, wenn die Luftdruckveränderung von Schwankungen überlagert ist. Ein stark fallender Luftdruck ist hingegen ein Hinweis, dass ein Tief im Anmarsch ist. Und mit den Fronten des Tiefs auch Wetter. Also aufziehende Wolken, Regen, höhere Windgeschwindigkeiten und auch eine Änderung der Windrichtung. Ist der Druckabfall zunächst langsam und schwach und wird kontinuierlich stärker, ist das ein Anzeichen, dass das Zentrum des Tiefs auf einen zukommt. Fällt der Luftdruck hingegen anfangs schnell und wird dann immer langsamer, zieht das Zentrum des Tiefs sehr wahrscheinlich in größerer Entfernung vorbei. Ein sehr starker Luftdruckabfall von mehr als sechs hPa innerhalb von drei Stunden, spricht für herannahenden Sturm. Bei diesen stark ausgeprägten Fronten, die auch einen signifikanten Luftmassenwechsel (damit verbunden ein starker Temperaturrückgang) mit sich führen, können auch Gewitter auftreten. Eine wichtige Orientierungshilfe ist: Je stärker der Luftdruck fällt, desto windiger und stürmischer wird es. Es gibt zwei wichtige Hinweise, die einen davor bewahren von sehr starkem Wind überrascht zu werden. Ist der Luftdruckabfall sehr stark bei nur wenig oder keinem Wind, folgt dieser(der Wind) plötzlich und ohne Vorwarnung. Und der zweite Hinweis ist: Eine Front bei der es regnet bevor der Wind zunimmt, bringt stärkeren Wind mit sich als eine Front, bei der zuerst der Wind auflebt und dann Regen bringt. Also aufpassen bei aufziehendem Regen ohne Windzunahme.

Nicht nur Luftdruckänderungen geben Hinweise wie das Wetter die nächsten Tage wird. Die Änderung der Windrichtung oder verschiedene Wolkentypen geben Hinweise auf das zukünftige Wetter.

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